Aus dem zerfließenden Garten
mit Gedichten von Peter Schwanz

Aber ich werde warten…
Werd ich auch wissen, worauf?
– Stieg’ ich doch lieber hinauf
aus dem zerfließenden Garten
als meiner Einsamkeit Grab
unter den ewigen Winden!
– Wünschte, man könnte mich finden,
führte mich freundlich hinab;
… und ein Gesicht wäre da,
schon an der Hand zu erspüren,
die mich im Haltlosen hält:
– Wurden wir etwa verstellt,
so wie sich Bücher verlieren,
manchmal … und stets doch so nah?!


FARBEN SO HEISS WIE DIE GLUT
sind schon entziehenden Lebens
blühen nocht; glühen vergebens,
fehlt uns am Ende der Mut,
mehr als verglühend zu sein,
wieder zur – Flamme zu werden
– in all der Kälte auf Erden
züngelnden Brands warmer Schein:
Feuer, das Feuer entfacht
in dieser Blässe der Zeit,
… an der der Himmel zerschellt:
nochmals von Farben erhellt
– lodernd ein flammendes Kleid;
… wem, wenn nicht – uns zugedacht?!



LASS UNS NUN
ENDLICH RUHN
… und vergessen,
was wir wollten!
– oder sollten;
… doch als wessen
Traumgesicht?
– letztes Licht:
– letztes Licht:
… über dessen
Uns-Entschwinden
wir uns blinden
Augs – neu messen.
MANCHMAL (aus anderen Jahren,
ihrem schon stürzenden Bau)
schwingt noch ein Klang, der wir waren,
… schwimmt jenes fließende Blau
– das wir nie sahn; – es zu finden,
waren wir allzu genau:
… Erst wenn die Scheiben erblinden,
blüht es aus randlosem Grau.



SUMMTEN DIE WORTE wie Bienen
– jetzt greift der Frost nach dem Haus;
… doch über Nacht ist ein Strauß
funkelnd am Fenster erschienen:
Wächst aus der Kälte und wird
Anlass, nach Düften zu forschen,
– bis aus den dunkelnden, morschen
Herzen ganz leise verwirrt
steigt, … was den Sinnen entgegen
ist, wir nicht lange zu halten
wissen – und nie zu entfalten;
… aber Gedanken bewegen
neu sich auf Bahnen von Worten,
die uns zu zeitig verdorrten.



SIEH DEINEN WEG nun verschwimmen,
sinkt bang der Tag in die Nacht
… und, wie aus Träumen erwacht,
lausch den jäh anderen Stimmen!
– die unsres Lebens Ergimmen
wegsingen: nicht mehr bedacht
auf kalte Strenge; … schon sacht
wegbröckelnd in ein Verglimmen
von etwas, das unsre Stunden
erst im Verschwinden still füllt:
ganz nie verlöschende Glut,
– die in Vergessenheit hüllt,
… was nichts als Abschaum schien, – gut
heißt: weil bald anders befunden.





AUF EINMAL STEILT DIE STUNDE HEISS HINAUF
– sei dann das Finden, das nicht weitersucht!
… und laß der Tage wirre, leere Flucht
sich ganz verlieren; denn es wartet auf
dich ein nicht Wartendes: sich fiebernd senkend
… und erst in dir sich selbst zu Ende denkend,
– als nähme es dich anders nie in Kauf.

