Aus dem zerfließenden Garten


mit Gedichten von Peter Schwanz

Vergißmeinnicht, Öl 1980, 31 x 23 cm

Aber ich werde warten…
Werd ich auch wissen, worauf?
– Stieg’ ich doch lieber hinauf
aus dem zerfließenden Garten

als meiner Einsamkeit Grab
unter den ewigen Winden!
– Wünschte, man könnte mich finden,
führte mich freundlich hinab;

… und ein Gesicht wäre da,
schon an der Hand zu erspüren,
die mich im Haltlosen hält:

– Wurden wir etwa verstellt,
so wie sich Bücher verlieren,
manchmal … und stets doch so nah?!

Wiesenmohn, Öl 2020, 50 x 68 cm
Fließende Kapuzinerkresse, Aquarell 2011, 34 x 46 cm

FARBEN SO HEISS WIE DIE GLUT
sind schon entziehenden Lebens
blühen nocht; glühen vergebens,
fehlt uns am Ende der Mut,

mehr als verglühend zu sein,
wieder zur – Flamme zu werden
– in all der Kälte auf Erden
züngelnden Brands warmer Schein:

Feuer, das Feuer entfacht
in dieser Blässe der Zeit,
… an der der Himmel zerschellt:

nochmals von Farben erhellt
– lodernd ein flammendes Kleid;
… wem, wenn nicht – uns zugedacht?!

Sonnenblumen, Öl 1969, 67×55 cm
Kapuzinersträußchen, Öl 2016, 40 x 22 cm
Großer bunter Strauß, Öl 1974, 64 x 54 cm

LASS UNS NUN
ENDLICH RUHN
… und vergessen,

was wir wollten!
– oder sollten;
… doch als wessen

Traumgesicht?

– letztes Licht:
– letztes Licht:
… über dessen

Uns-Entschwinden
wir uns blinden
Augs – neu messen.

MANCHMAL (aus anderen Jahren,
ihrem schon stürzenden Bau)
schwingt noch ein Klang, der wir waren,
… schwimmt jenes fließende Blau

– das wir nie sahn; – es zu finden,
waren wir allzu genau:
… Erst wenn die Scheiben erblinden,
blüht es aus randlosem Grau.

Cilla, Tusche 1983, 20 x 10 cm
Weiße Lilien, Öl 1969, 57 x 40 cm
Eisblumen, Öl 1975, 62 x 52 cm

SUMMTEN DIE WORTE wie Bienen
– jetzt greift der Frost nach dem Haus;
… doch über Nacht ist ein Strauß
funkelnd am Fenster erschienen:

Wächst aus der Kälte und wird
Anlass, nach Düften zu forschen,
– bis aus den dunkelnden, morschen
Herzen ganz leise verwirrt

steigt, … was den Sinnen entgegen
ist, wir nicht lange zu halten
wissen – und nie zu entfalten;

… aber Gedanken bewegen
neu sich auf Bahnen von Worten,
die uns zu zeitig verdorrten.

Ausklang, Öl 2003, 61 x 62 cm
Späte Sonne, Öl 2017, 55 x 64 cm
Kapuzinerkresse, Aquarell 2001, 35 x 46 cm

SIEH DEINEN WEG nun verschwimmen,
sinkt bang der Tag in die Nacht
… und, wie aus Träumen erwacht,
lausch den jäh anderen Stimmen!

– die unsres Lebens Ergimmen
wegsingen: nicht mehr bedacht
auf kalte Strenge; … schon sacht
wegbröckelnd in ein Verglimmen

von etwas, das unsre Stunden
erst im Verschwinden still füllt:
ganz nie verlöschende Glut,

– die in Vergessenheit hüllt,
… was nichts als Abschaum schien, – gut
heißt: weil bald anders befunden.

Herbst ’01, Öl 2001, 65 x 55 cm
Dunkler Strauß, Öl 2014, 56 x 55 cm
Erde, Öl 2021, 86 x 68 cm
Mai, Öl 2000, 62 x 60 cm
Sommerglut, Öl 2006, 55×45 cm

AUF EINMAL STEILT DIE STUNDE HEISS HINAUF
– sei dann das Finden, das nicht weitersucht!
… und laß der Tage wirre, leere Flucht
sich ganz verlieren; denn es wartet auf
dich ein nicht Wartendes: sich fiebernd senkend
… und erst in dir sich selbst zu Ende denkend,
– als nähme es dich anders nie in Kauf.

Wilder Wein, Öl 2020, 85 x 67 cm
Lebensziel, Öl 2016, 80 x 61 cm