MEER ZÄRTLICHER BLÄUE


mit Gedichten von Peter Schwanz

Regen, Öl 1971, 64 x 50 cm
Winterland, Öl 2004, 50 x 71 cm

DIE WINTERLICHTEN RAINE,
wie fliegen sie vorbei!
bis ich im Einerlei
versinke, – in das Eine,

das sich dem Blick entzieht,
– der sich vom Wege wendet,
nichts mehr auf ihn verschwendet;
doch dort, wohin er flieht,

sich neu entzünden wird,
… noch spät durch Nebel irrt,
– in denen wir vergessen,

daß, was wir kaum besessen,
schon längst im Frost zerklirrt,
den … unsre Schritte messen.

FÄLLT NUN DIE WELT INS LEERE
– sei schon ein wenig weiter:
Bleib unter Tränen heiter,
und – spotte letzter Schwere!

die sich noch als Barriere
entgegenstellt – Bestreiter
von allem; doch Begleiter
dir plötzlich, … wenn die Wehre

der Ungewißheit sich
nicht länger sträuben, dich
aus sich hinauszuspülen

in ein gelaßnes Treiben …:
sanft wechselnd zu Gefühlen,
… die nicht dieselben bleiben.

Wintergerüst, Öl 2007, 50 x 72 cm
Thüringer Bergwinter, Öl 2022, 69 x 87 cm
Eisfichten, Öl 2015, 67 x 44 cm
Winterlandschaft, Öl 1973, 46 x 64 cm
Boddenlandschaft Hiddensee, Öl 1970, 42 x 59 cm
Mutter mit Kind, Bleistift 1984, 32 x 23 cm

WIEDER KINDERLACHEN – Leben.
Sieh die kleinen, weichen Hände,
so, als fänd’ sich nie ein Ende,
schon am Tuch der Zukunft weben;

längst den Nornenfaden spinnen:
immer länger! … Niemals dünner?
Gäbe es doch nur Gewinner,
wenn sekundenschnell gerinnen

ach so vieles! – zu gewahren
vor stets unerreichtem Gipfel
… und als erster, vager Zipfel
dessen, was uns widerfahren

wird … Und die, die um uns spielen,
scheinen dies – und mehr zu fühlen.

ERLOSCHEN der Sonne letzter Brand;
die Farben erkalten … und, milder,
entreißt der Abend, sich schließend, dich
dir aus Springfluten jener Bilder
des Tags: – die, dich umreißend, du warst;
… schon steigen Nebel zu stiller Wand,
verliert das Schrein der Kontraste sich
vor dem, worauf du nicht mehr beharrst.

Dämmerung, Öl 1979, 49 x 64 cm
Glockenblumen, Öl 1974, 27 x 20 cm
Sonnenblumen im Herbst, Öl 1969, 59 x 42 cm

AUCH DIESES NOCH. Und ist (wie es sich löst
in deiner Nähe) erst ein schwaches Flattern,
das noch nicht trägt: … gefangen in den Gattern,
– in die der Gleichmut jene Herzen stößt,

die sich bewahrten, … um sich zu verlieren;
– und blieben kühl in einem milden Licht,
das lange wärmt, – bis zögernd aus uns bricht,
was wir nur spüren, … weil wir plötzlich frieren.

Nachthäuser, Öl 2022, 45 x 67 cm
Himmel über Eisenach, Öl 2022, 69 x 86 cm

WENN DIE GEDANKEN KREISEN
fast ohne Ziel und Sinn,
… zieht’s manchmal wie ein Reißen
zu andern Bahnen hin,

– die sich uns stets entzogen,
weil, ganz in uns gekehrt,
wir meistens nur erwogen,
was Reue nie beschwert;

– und wurden blaß und hohl:
Bewohner von Gefilden,
… die sich aus Schatten bilden,

– bis einer sie verläßt,
jählings hinausgepreßt
… wie aufs Geratewohl.

Wartburg, Öl 1971, 64 x 68 cm
Märchen, Öl 2004, 50 x 71 cm
Winterlandschaft mit Sonne, Öl 1969, 57 x 40 cm

GLEISSEN DER JANUARSONNE,
das nur verspricht.
… Wer wird mich halten
in wieder vollerer Zeit

… oder in jähem Gericht?
– das, wo sich viele entfalten,
jedem Verstehen zum Hohne,
andre, selbst letztes Geleit

nicht mehr gestattend, zerbricht
… wie dürre Halme; – zu weit
ab, als daß jemand rief‘: Schone,
rett diese Letzten noch, halt den

Ablauf auf! – Fehlt längst doch nicht
manchen, die blieben, als zahlten
ausschließlich andre, was ohne
Ausgleich bleibt, Menschsein als Leid.

Winterrain, Öl 2018, 46 x 68 cm
Im hohen Gras, Öl 2016, 57 x 48 cm
Morgenfenster, Öl 2014, 62 x 41 cm
Am Birkenweg, Öl 2014, 69 x 60 cm

WÄLDER IM FROST … Ihre FLotten
löschte der Herbst. Und ein Meer
zärtlicher Bläue liegt leer
über dem dumpfen Verrotten

alter Versäumnisse, – die
stürmischer, werbender drängen,
wo sie vereinzelt noch hängen
– spärliche Traummelodie,

… die wir schon nicht mehr vernehmen,
aber auf einmal zu lesen
– und zu ergänzen verstehn:

Noten, die, weil sie verwehn,
uns aus Erstarrungen lösen,
… wenn wir uns dazu bequemen.

Winter, Aquarell 1977, 48 x 36 cm