Zu Schatten abgestuft

mit Gedichten von Peter Schwanz

Laternchen am Fenster, Aquarell 1980, 23 x 15 cm

WEINEN DER LEBENDEN UND ALL DER TOTEN,
Schluchzen wie das sich verirrender Kinder
unter den kalten, erschreckenden Sternen:
drohend sich wälzende Flut, – die zuletzt
leer sein läßt, … leicht macht; vergessen, ein Blatt
hinter dem Seufzen des Winds in den Kronen
über den Gräbern sich steil in die Luft
hebender Welt in kaum tätiger Nacht,
… traumscheu; bloß scheinbar von uns zu bewohnen,
die wir uns so … von uns selber entfernen
– bald eines andern Daheimseins Erfinder:
langsam nur findend in zögerndem Loten,
was noch ganz blaß bleibt, als sei’s bloß gedacht;
… und doch ein Etwas schon, das fordernd ruft
in eine Form: die zum Inhalt nichts hat, als ein uns nicht mehr verwerfendes Jetzt.

Der Krieg, Öl 1971, 55 x 64cm
Winterlandschaft, Öl 1969, 59 x 42 cm

GRAU SIND NUN DIE TAGE,

grau und kurz und leer,
… und längst gilt nicht mehr,
was ich dir noch sage           

gestern oder morgen
– treibt das Heut’ doch leck
weit und weiter weg:
aus dem Land der Sorgen

… in das Unbewohnte,
wo es langsam sinkt:
tiefster – Nähe zu;

… und es kommt zur Ruh,
was um nichts mehr ringt,
– weil es sich nicht lohnte.

TRÜBE, TOTE ZEIT:
alles wie erfunden,
… was mich dennoch streift;
nach dem Herzen greift,
das sich, unverbunden,
in die Tränen reiht,

… die nicht fließen, – fallen
sie doch ohne Zahl
in ein andres Leben,
das noch nicht gegeben
ist, – bis auf die Qual,
deren Schmerzen strahlen:

manchmal fast Gestalt;
… tieferen Gestaden
einbezogen, – die
sich umreißen, wie
schwaches Licht die Schatten
erst nur untermalt.

Gladiolien, Öl 1969, 59 x 42 cm
Südländischer Friedhof, Öl 2003, 50 x 71 cm
Angst, Öl 1980, 44 x 64
Aktstudie Kauernde, Bleistift 1983, 22 x 30 cm
Winterlaub, Graphit Sepia 2014, 18 x 28 cm
Verdorrter Zweig, Farbstift Sepia 2002, 19 x 29 cm
Der Abend, Öl 1981, 73 x 51 cm

MANCHER ABEND hängt wie Weinen
in der überfüllten Luft;
– doch, zu Schatten abgestuft,
scheint dich niemand mehr zu meinen

… und wird alles kalt und fremd,
– wagst du nicht den einen Schritt,
der dich zugesellt den, mit
anderm Lande angeschwemmt,

dir Gekommnen, … nicht von nah,
aber auch nicht von weit her:
– lang schon wartend, daß man käme,

ihre Herzen herzwärts nähme,
… wäre da noch irgendwer,
wider allen Anschein, da.

KREISEN DER KRÄHEN – wie immer
etwas verlängernd, … hinaus
bis in die Mitte des Graus
…und noch hindurch, später Schwimmer,

tieferer Weite zu: nichts
als unsrer Hoffnung Gefährt,
– das, kaum mit Worten beschwert,
Träger nur jenes Gewichts

ist: und doch sinken muß; wäre
da nicht ein treibender Anker,
– den nun verzweifelt ein blanker

Arm greift als sicheren Halt;
später zu Kork übermalt
… über kaum minderer Schwere.

Krähen, Öl 1974, 48 x 64 cm
Winternacht Öl, 1979, 45 x 64 cm
Mauer, Öl 2015, 56 x 65 cm
Spätherbst, Öl 2015, 69 x 47 cm